Süddeutsches Klimabüro

Heiße Tage

Definition
Tage pro Jahr mit Tageshöchsttemperaturen von mindestens 30 °C

Landwirtschaft

Heiße Tage sind eine wichtige Größe für den Bereich Landwirtschaft, da nicht nur der Ernteertrag, sondern auch die Qualität des Geernteten unter der Hitze leidet. Da es ab einer Temperatur von 30 °C zu Ertragseinbußen kommen kann (je nach Kultur leicht unterschiedliche Temperaturwerte), könnte ein Anstieg der Häufigkeit zu einer landesweiten Verringerung des Ertrags führen. Insbesondere, wenn die Hitze in der Blütezeit, also zur Zeit der Pollenausbildung, auftritt, sind die Schäden am größten. Während der Blütenentfaltung kann bereits eine Stunde Hitzeeinwirkung schädlich sein. Am stärksten leiden Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben unter den Hitzetagen (Flaig, 2013). In dieser Zeit und bei Hitze generell ist auch die Wasserversorgung entscheidend, da diese die Transpiration bestimmt (Transpiration kann die Bestandstemperatur generell um etwa 4 °C oder mehr senken); je trockener die Bedingungen, desto schlimmere Folgen hat Hitze für eine Pflanze.

Temperaturen über 30 °C, sofern sie zusammen mit starker Sonneneinstrahlung auftreten und eine Fruchttemperatur von über 40 °C verursachen, können zudem an exponierten Stellen von Obstbäumen Sonnenbrand an den Früchten, beispielsweise Äpfeln, verursachen (Yuri et al. 2004).

Wald und Forstwirtschaft

Heiße Tage mit Temperaturen von mindestens 30 °C stellen für Bäume eine starke Belastung dar. Extremtemperaturen führen zu höherer Insektenvermehrung. Alte und neu gepflanzte Bäume sind dabei besonders anfällig und sterben vermehrt ab. Daher sind Hitzeschäden auch noch Jahre nach besonders heißen Sommern zu beobachten. Weiterhin besteht durch die Hitze vermehrte Waldbrandgefahr. Da für die Zukunft erwartet wird, dass häufiger Tage mit Temperaturen von mindestens 30 °C auftreten werden, könnte daher vermehrt Baumsterben durch Insektenbefall oder Waldbrand auftreten.

Stadt- und Raumplanung (Städtebau, Bauleitplanung)

Eine sehr hohe Temperatur unterstützt die Vermehrung von neuartigen Schädlingen, wodurch Stadtbäume häufiger beschädigt werden können. Weiterhin sind die momentan in Städten gepflanzten Baumarten an das aktuelle Klima angepasst. Klimaänderungen mit häufigeren Hitzeereignissen können daher eine Anpassung der Baumarten notwendig machen. Eine steigende Anzahl an heißen Tagen in Zukunft kann zu einer vergrößerten Gefahr für die aktuellen Stadtbäume führen, da diese aufgrund des begrenzten Wurzelraumes bei Hitze auch schneller unter Trockenstress geraten als Waldbäume.

Gesundheit (Biometeorologie)

Extremtemperaturen können die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen. Ab Temperaturen von 30 °C nimmt bereits die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit ab. Vor allem ältere und pflegebedürftige Personen, Säuglinge und Kleinkinder, im Freien Arbeitende, sowie Menschen mit Erkrankungen, die den Stoffwechsel oder das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen, sind bei hohen Temperaturen gefährdet (Umweltbundesamt und DWD, 2008; Kunz-Plapp et al., 2016). Neben der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsabnahme können auch Hitzeerschöpfung, Hitzschlag oder Hitzekollaps die Folge sein. Eine Zunahme der Häufigkeit von Hitzeereignissen in Zukunft könnte deshalb zu einer höheren Mortalitäts- und Morbiditätsrate, häufigeren Unfällen und geringerer Arbeitsqualität führen. Daher werden Anpassungsmaßnahmen an Hitze im Alltag wichtiger.

Kunz-Plapp, T., J. Hackenbruch und Schipper, J.W., 2016: Subjective heat-stress of citizens in a medium-sized city in Western-Europe, Nat. Hazards Earth Syst. Sci., 16, 977-994 pp., DOI: 10.5194/nhess-16-977-2016

Umweltbundesamt und DWD, 2008: Klimawandel und Gesundheit - Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sommerlicher Hitze und Hitzewellen und Tipps zum vorbeugenden Gesundheitsschutz S. 5

Yuri, J. A., V. Lepe, C. Moggia, R. Bastias und L. Bertschinger, 2004: Sonnenbrand beim Apfel. Schweiz. Zeitschrift für Obst und Weinbau Nr. 8/04, S. 7-9.